Ministerpräsident Peter Harry Carstensen im Gespräch mit Bernd Jorkisch

20.11.2006

Landesvater liebt Geruch von Holz

Daldorf. Es war nicht der entscheidende Grund, der ihn in den Norden des Kreises gezogen hatte, aber ein wenig habe „die Sehnsucht eines Nordstranders nach Holz“ schon eine Rolle gespielt, sagte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU), als er gestern der Holzfirma Jorkisch in Daldorf einen Besuch abstattete. „Es riecht in einer Holzhandlung immer so gut“, schwärmte der Mann, der in einer waldarmen Gegend am Meer lebt.

Mit nur zehn Prozent seiner Fläche gilt Schleswig-Holstein schlechthin als waldarm. Dennoch sei die Holz- und Waldwirtschaft für das Land eine bedeutsame und ausbaufähige Branche, so Carstensen. Holz sei exzellenter Baustoff und Energieträger, der als Brennmaterial an Bedeutung gewinne, sagte der CDU-Politiker, der zu Hause auf Nordstrand noch mit Öl heizt. „Aber ich will das bald umstellen.“

Maßgeblich beteiligt an der Holzwirtschaft im Land ist die „augenfällige Firma an der Bundesstraße 404“, Jorkisch. Und weil der Chef der Daldorfer Firma, Bernd Jorkisch, ja zugleich Präses der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lübeck ist, gab’s gestern auch ausreichend anderen Gesprächsstoff als Holz. So legten Carstensen und Jorkisch noch einmal ein deutliches Bekenntnis zur Fehmarnbelt-Querung ab, allerdings erst nach einer Elbquerung der A 20. Denn: „Eine Beltquerung ohne Elbquerung wäre ja beknackt“, stellte der Ministerpräsident in gewohnt bodenständiger Manier klar.

Es gelte jetzt, bei der Bundesregierung auf eine Entscheidung zugunsten dieser Verkehrsprojekte zu drängen. „Wir brauchen ein klares Signal aus Schleswig-Holstein an die Bundesregierung“, betonte auch IHK-Präses Jorkisch. Das seien entscheidende Projekte für die Wirtschaft im Norden. Die Fehmarnbelt-Querung soll von der privaten Wirtschaft geschultert werden. Der Rückhalt dafür sei vorhanden, erklärte Jorkisch: „Die Zustimmung liegt bei 90 Prozent plus X. Investoren stehen bereit.“ Allein aus den Reihen der Hafenwirtschaft gebe es kritische Stimmen. Dort befürchte man, dass mit einer festen Beltquerung ein Rückgang des Umschlages einhergehe.

Fragen zur geplanten Kreisgebietsreform hielt Ministerpräsident Carstensen übrigens ebenso kurz wie seinen Rundgang. Kein Wunder, schließlich wird er dazu am Wochenende beim Landesparteitag wohl noch einige dicke Bretter bohren müssen. Und diese Art von Holz weckt bei ihm sicher keine Sehnsucht.

Quelle: Lübecker Nachrichten v. 20.11.2006